DAS FOTO VOM VOGEL MIT DEM PLASTIKBEIN

Am 17. März 2024 erhielten wir von Abdelhak El Aissati ein Foto eines Vogels zugesendet, den er gemeinsam mit einem Kollegen gesehen und dann fotografiert hatte. Abdelhak, besser bekannt unter dem Spitznamen Abdul und seinem Instagram Kanal @through_my_eyes_world_/ ist seit vielen Jahren in unserem Verein ocean-R-evolution und unterstützt das Projekt Around The Bodensee CleanUp beim Sammeln und mit Fotografie und Drohnenaufnahmen bei unserem jährlichen Teilnehmerprojekt. Das Foto, welches er uns zukommen liess, zeigte eine Bachstelze, dessen Bein umwickelt und deformiert war von einer Plastikschnur. «Die Bachstelze,» teilte uns Abdel mit, «war die ganze Zeit damit beschäftig das Stück Plastik mit seinem Schnabel zu entfernen, doch er schaffte es nicht.» Auf dem Foto sieht man, dass der Vogel dieses Plastik schon sehr lange Zeit mitgetragen hatte. «Das Bein ist bereits sehr stark deformiert!»

Sofort nahmen wir Kontakt mit einer Fachstelle auf, welche in der Region für den Schutz von Vögeln bekannt ist. Nach erneutem Nachfragen erhielten wir vier Tage später die knappe Information, dass leider nichts zu machen sei. 

Auch hatten Rolf Marti und Noemi Solombrino in der Zeit Sitzungen bezüglich Kaldnes, wo wir das Foto des Vogels zeigten und um Rat baten. Auch diese Stellen konnten uns nicht weiterhelfen.

Am Samstag, 23. März 24 definierten Abdul El Aissati und Noemi Solombrino bereits einen ersten Termin zur Besichtigung vor Ort, wo der Vogel zuletzt gewesen war. Sie schauten, wie der Wasserstand und wie die Möglichkeit für eine Rettung war. Am gleichen Nachmittag fuhr Noemi Solombrino zur Wildvogel und Reptilien Pflegestation Kreuzlingen, welche ihr mit Rat und Tat zur Seite stand. Zwei Frauen erklärten ihr, dass es wichtig wäre den Vogel einzufangen und zu ihnen zu bringen, damit er den Fuss nicht irgendwann verliert oder umkommt. Sie erklärten, wie wir eine Vogelfalle bauen könnten und wie wir die Vögel rundherum sonst nicht stören in der Paarungszeit. 

Bereits fürs nächste Wochenende waren wir top ausgerüstet, dank der Unterstützung von Rolf Marti, Co-Präsident des Vereins ocean-R-evolution, welcher sich um die Fallen kümmerte sowie nach dem idealen Vogelfutter recherchierte, welches Noemi Solombrino dann im Fachgeschäft besorgte. Bereit für das Vogelrettungsabenteuer versuchten Abdul sein Kollege und Noemi am 29. März 24 in aller Frühe ihr Glück. Sie installierten ihre Fallen, versteckten sich in den Gebüschen und Abdul und sein Kollege, welcher bis Mittag mithalf, versteckten sich in zwei Tarnzelten. So vergingen die Stunden. Wir sassen alle etwa 10 Meter auseinander in unseren Verstecken und warteten. Einige Vögel getrauten sich in die Falle, die wir dann natürlich nicht auslösten. Doch unser besagter Vogel, die Bachstelze, blieb leider fern. Er folg immer mal wieder vorbei, doch kam nicht in die Falle. 

Der Wetterbericht sagte bereits an, dass es stürmisch wird und dass auch der Sahara Staub sehr intensiv kommen wird. Kurz nach dem Mittag wurde der Wind auf einen Schlag immer heftiger und der Saharastaub kam immer näher. Die Wellen waren riesig und der Sturm wurde immer heftiger. Die Falle von Abdul kippte um und somit konnte er im Sturm die Bachstelze nur noch fotografieren. Noemi harrte so lange in ihrem Versteck aus, bis auch ihre Falle leider ohne Bachstelze drin, umkippte. 

Abdul zeigte Noemi seine Fotos. Er war erst nicht ganz sicher, ob es dieser Vogel war. Doch als er nochmals ein Foto machte und es zoomte zeigte sich ganz klar: «Es ist der besagte Vogel! Doch nun ohne Plastik?! Und nur noch mit einem Bein! Die Bachstelze hat ihr Bein wegen dem Plastik verloren!»

Plötzlich sahen wir über das Ufer, in der Nähe einen Brand eines Hauses im Nachbardorf. Abdul wurde sogleich von der Feuerwehr gerufen, um im Nachbardorf zu helfen. Abdelhak El Aissatis Rettungsaktion ging somit in anderer Form weiter.

Noemi trat am selben Nachmittag wieder in Kontakt mit der Wildvogel und Reptilien Pflegestation Kreuzlingen. Diese bestätigte, aufgrund der Fotos, dass die Bachstelze Glück hatte und sie so wie das Bein abgeheilt ist, überleben wird.

Diese Nachricht war ein grosser Erfolg. Nach all der Zeit die das Tier gelitten haben muss und versucht hatte den Plastik irgendwie loszuwerden!

Am Ostersonntag 31. März 24, trafen Abdul El Aissati und Noemi Solombrino sich erneut an der besagten Stelle. Sie machten ein Film-Interview für den Jahresfilm, fotografierten den Vogel und räumten den Müll den sie in der Natur sahen auf. Alles in allem ergab sich ein 35 Liter Müll Sack auf kleinster Stelle. «Nur das Bein der Bachstelze mit dem Plastik haben wir nicht gefunden.»

Bereits am Mittwoch 3. April 24 drehte Noemi Solombrino in Kreuzlingen bei der Wildvogel und Reptilien Pflegestation ein weiteres Interview für den Jahresfilm. Der Verein lud uns ein, das Projekt Around The Bodensee CleanUp, wie auch unseren Verein ocean-R-evolution an ihrem Tag der offenen Türe, am 15. Juni 24 mit einem Infostand zu vertreten. Wir freuen uns, dass wir den nötigen Rat und Respekt erhielten von Menschen, die sich tagtäglich um das Wohl von wilden Tieren kümmern. Sie hielten die Hoffnung und die Möglichkeit am Leben, dem Tier helfen zu können und waren interessiert an einem guten Leben für das Tier. 

Wir hoffen mit diesem Blog-Beitrag, dass sich Organisationen ein Beispiel an der Wildvogel und Reptilien Pflegestation Kreuzlingen nehmen. Organisationen, die für solche Fälle zuständig sind, haben bestimmt sehr viel zu tun, das ist uns vollkommen bewusst. Einer solchen Situation ist dennoch sehr geholfen, immerhin mit Rat, den kleinen Schimmer Hoffnung am Leben zu erhalten. Die Situation mit einem knappen «Es ist nicht möglich.» ab zu tun, erstickt die Hoffnung im Keim.

Wir sind alle anderweitig Berufstätig und hätten unser Osterwochenende auch anders verbringen können. Für uns war das Leben und der Versuch wichtig, diesem Tier zu helfen und wir glauben auch, dass es für Menschen die in solchen Organisationen arbeiten wichtig ist. 

Mit einem «Es ist nicht möglich.» ohne einer Begründung, wird die Hoffnung im Keim erstickt. Mit einem «Danke, das ist toll, dass Sie das in ihrer Freizeit gratis machen, wir unterstützen Sie gerne mit unserem Rat.» oder «aus diesen und diesen Erfahrungsgründen empfehlen wir Ihnen folgendes..» wäre der Sache viel mehr gedient. 

Stellen Sie sich einen kleinen Jungen oder kleines Mädchen vor der von seinem Grossvater zu hören bekommt: «Das ist nicht möglich.» Dieses Kind wird nie die Welt zum Guten verändern versuchen. Auch wenn Sie nicht daran glauben. Vielleicht schafft es der kleine Junge/das kleine Mädchen ja doch? Das Kind braucht unsere Unterstützung mit einem beratendem: «Versuch es.» In unserem Vogelfall war es wichtig, dass uns jemand berät, da wir uns (ähnlich wie der Vergleich mit dem Kind) nicht auskannten mit wilden Vögeln. Ohne Rat von der Wildvogel und Reptilien Pflegestation Kreuzlingen hätten wir weiter gesucht und abgewartet, bis wir die nötigen Informationen zusammen gehabt hätten. Denn unser Weg ist es, uns nicht aufhalten zu lassen von einem unbegründetem: «Das geht nicht.» Wir würden auch nicht ohne Abklärungen einfach machen, das empfehlen wir nicht. Wir hätten weiterhin nach jemandem gesucht der sich auskennt und der uns mit Rat helfen kann. Denn irgendwann finden sich die richtigen Menschen und es öffnen sich Türen für neue Lösungen. 

Danke an dieser Stelle an Abdelhak El Aissati, sein Kollege sowie Loredana de Luca und alle die bei der Vogelrettungsaktion in irgend einer Weise beteiligt waren. Danke an die Wildvogel und Reptilien Pflegestation Kreuzlingen für den Rat.

Noemi Solombrino, Rolf Marti und der gemeinnützige Verein ocean-R-evolution

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