Aufräumaktion am Rheindamm

Der Vortag

Gestern am offiziellen CleanUp mit der Gemeinde Fußach stellte sich heraus, dass jemand bereits heimlich das Naturschutzgebiet vor uns gesäubert hatte. Offenbar wollten diese Personen das Ansehen des Naturschutzgebiets wahren, das seit Jahren stark vermüllt ist. Lese hier Noemis Vermutungen. Aufgrund dieser unerwarteten Aufräumaktion musste das CleanUp-Programm für die folgenden Tage umgestaltet werden.

Der Rheindamm und der Müllblick

Am Sonntagmorgen machte sich Noemi Solombrino auf den Weg, um mit dem Fahrrad die andere Seite des Damms zu erkunden. Ihr Ziel war es, den Zustand in Bezug auf „vor uns aufgeräumt“ zu überprüfen und vergessenen Müll zu finden. Während ihrer Fahrt stiess sie auf Flaschen, die anscheinend beim heimlichen Abtransport verloren gegangen waren.

Trotz vorheriger Reinigungsaktionen entdeckte Noemi eine beachtliche Menge Müll, die entweder übersehen worden war oder bereits wieder angespült oder liegen gelassen wurde. Wir bezeichnen den über die Jahre entwickelten Blick für Müll als „Müllblick“, der sich bereits nach kurzer Zeit entwickeln kann. Mit diesem Blick sieht man deutlich mehr Müll als andere, die sich vielleicht nicht so oft damit beschäftigen.

Einmal sagte jemand, dass dies ähnlich wie beim Pilze sammeln sei: Die einen sehen sie, die anderen nicht. Besonders auffällig waren die Plastikstücke, die in Farbe und Form den Steinen ähnelten und verstreut sowie versteckt lagen – diese wurden oft übersehen. Es ist eine grosse Herausforderung, sich auf den Steinen und Wellenbrechern fortzubewegen, ohne auszurutschen. Der Müll befindet sich oft in den Zwischenräumen der Steine oder wird gezielt dort hineingesteckt. In einer Hand hält Noemi den Müllsack, in der anderen die Holzzange, während sie gleichzeitig kleine Videos aufnimmt und Fotos zur Dokumentation macht. Dies erfordert viel Geschick, das Noemi sich über 10 Jahre angeeignet hat.

Obwohl die Arbeit aller Freiwilligen bei diesem Projekt von entscheidender Bedeutung ist, ist die Wertschätzung der Allgemeinheit sowie die finanzielle Unterstützung zu gering.

Zehn Jahre sind eine bedeutende Zeitspanne, in der viel erreicht wurde. In dieser Zeit wurde das Projekt ausgeführt, verbessert, angepasst, umengen an Müll vom Bodensee Ufer weggetragen und Umweltbildung in Schuleinrichungen gemacht, zudem wurde die Gemeinschaften gestärkt und nachhaltige Veränderungen bewirkt. Die Konstanz, Ausdauer, sowie der geleistete freiwillige Einsatz an Zeit und Geld das dafür investiert wird, was für solch ein Engagement erforderlich sind, verdienen Anerkennung und Respekt. Oft werden sogar die Dankes-Jausen-Brötchen der Schulkinder in unterschiedlichen Gemeinden aus eigener Tasche bezahlt. Da nichtmal diese Kosten von einigen Gemeinden getragen werden möchten.

Zudem ist zu beachten, dass solche Gebiete nicht mit herkömmlichen Fahrzeugen befahren werden können. Die Freiwilligen transportieren viele Kilogramm Müll auf den Schultern, entweder in Säcken, an kleinen Einkaufswagen für ältere Menschen oder auf Klappfahrrädern, zu den Orten, wo der Müll dann abgeholt werden kann.

All dies ist äusserst anstrengend über zwei Monate durchzuhalten und wird oft übersehen, insbesondere von denen, die diese Arbeit nie selbst erlebt haben. Es handelt sich hier nicht um einen Easy-Sammeltag, wie manche sich das vorstellen oder auch so manche andere CleanUp Events so handhaben. Denn dort geht es oft mehr um die Gemeinschaft und manchmal auch mehr um den Schein was Gutes zu tun, als um das wirkliche Müll sammeln. Besonders in solchen Gebieten wie am Rheindamm erfordert somit ein CleanUp Geschick, viel Durchhaltevermögen und enorme Kraft. Vorallem wenn man dazu auch an solchen Tagen alleine sammelt. Hinzu kommt die gesamte Organisation des zwei Monate langen Projektes mit über 2’500 Personen, die zahlreiche unterschiedliche Gruppen in drei verschiedenen Ländern betrifft, was viele Telefonate, E-Mails und Büroarbeit beinhaltet. Diese Leistung wird bis jetzt viel zu wenig wertgeschätzt, angesichts dessen, was Noemi Solombrino und der Verein ocean-R-evolution gemeinsam mit allen Teilnehmenden Schulen, Kindergärten, Vereinen, Gemeinden und Gruppen über all die Jahre für das ganze Bodenseegebiet aufgebaut und geleistet haben.

Wir hoffen sehr, dass sich dies in den nächsten eins, zwei Jahren ändern wird, da wir bald unser zehnjähriges Jubiläum feiern werden, was einen bedeutenden Meilenstein für das länderübergreifende Gemeinschaftsprojekt darstellt.

Die Herausforderung Mikroplastik

Am vordersten Zipfel des Rheindamms gibt es zudem wie auch auf der gegenüberliegenden Seite, einige Stellen mit Mikroplastik, denen sich Noemi und ihre Freunde vom Verein Ocean-R-Evolution mit all den Freiwilligen Helfer jedes Jahr widmen. Diese Aufgabe ist sehr zeitintensiv und kann allein schnell an die Grenzen der Belastbarkeit führen. Der Anblick der grossen Mengen Mikroplastik am und somit im Bodensee ist erschreckend. Noemi widmete sich, obwohl sie an diesem Tag alleine war, nach dem CleanUp noch der Herausforderung, kleinste Plastikstücke zu sammeln, bevor sie mit dem Fahrrad zurückfuhr.

Weitere Pläne

Den Rest des Damms, wo noch immer oder bereits wieder Müll lag, hat Noemi auf den kommenden Sonntag gelegt. Dann wird sie gemeinsam mit Freunden und Freiwilligen Helfern die Aufräumaktion fortsetzen. Jeden Herbst streben wir danach, den Bodensee wie auch dieses Naturschutzgebiet schrittweise von Müll zu befreien und die natürliche Schönheit der Umgebung zu bewahren. Der gesamte Abfall, der hier nicht eingesammelt wird, gelangt schliesslich in den Bodensee und landet irgendwann an den Stränden der drei Länder: der Schweiz, Österreich und Deutschland. Daher ist die Reinigung des Rheindamms im Herbst von grosser Bedeutung. Besonders wichtig ist dies, da es sich um ein Naturschutzgebiet handelt, in dem viele Vögel im Winter Frieden und Ruhe suchen.

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Noemi Solombrino & der gemeinnützige Verein ocean-R-evolution

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